RUMÄNIEN UND DIE TÖTUNGSSTATIONEN

Für den ein oder anderen hier in Deutschland mag es unvorstellbar sein, wenn wir unsere glücklichen Tiere auf dem Sofa sehen, aber in vielen süd- und osteuropäischen Ländern leben noch viele Hunde auf den Straßen. Auch bei uns gibt es natürlich Tierheime und man liest auch mal von einem ausgesetzten Hund, aber streunende Hunde sieht man bei uns in Deutschland nicht mehr. In Ländern wie z.B. Rumänien ist dies hingegen etwas Alltägliches.

Als würde dies allein nicht schon schlimm genug sein, sind die aktuell greifenden Lösungen der rumänischen Regierung leider alles andere als human und effizient


Die gesetzliche Lage in Rumänien

In Rumänien leben unzählige Katzen und Hunde auf den Straßen, eine Entwicklung, die in den 70er und 80er Jahren begonnen hat, als viele Menschen von den Dörfern in die Städte gezogen sind und ihre Tiere zurückgelassen haben. Die Tiere vermehrten sich unkontrolliert, bildeten Rudel und wurden zu einem großen Problem in den Augen vieler.

Die freilebenden Hunde, die wir während unserer bisherigen Rumänienreisen angetroffen haben, waren fast immer freundlich, zutraulich oder ängstlich. Aggressive Hunde habe ich persönlich auf der Straße bisher nicht gesehen, doch wer würde es ihnen verübeln, nach all dem Leid, was sie wohl bisher erlebt haben?

Doch sie sind der Grund dafür, dass die Straßenhunde in Rumänien so einen schlechten Ruf haben. Es herrscht Angst vor den Hunden, es wird verallgemeinert, dass Straßenhunde gefährlich seien oder auch Krankheiten verbreiten können (z.B. durch einen Biss von einem tollwütigen Hund).

Um dem Problem der Straßenhunde Herr zu werden, gab es bis ins Jahr 2007 das so genannte Tötungsgesetz in Rumänien, was besagte, dass Hundefänger streunende Tiere einfangen und in städtische Tierheime bringen sollten. Hier wurden sie dann nach einer Frist von 2 Wochen getötet, wenn niemand sie abholen kam.

Im Jahr 2007 wurde das Tierschutzgesetz eingeführt, was dazu führte, dass das Tötungsgesetz außer Kraft gesetzt wurde. Leider war dies aber nur für 6 Jahre der Fall, denn schon 2013 wurde es wieder eingeführt, nachdem ein Kind auf der Straße von einem Hund gebissen wurde und seinen Verletzungen erlag. Schrecklich, dass so etwas passiert ist, doch sicher kein Grund, alle (Straßenhunde über einen Kamm zu scheren. Noch weniger, weil besagter Hund gar kein Straßenhund war, sondern zu einem Firmengelände gehörte, wie sich später herausstellte. Der Fall war Grundlage für die erneute Einführung des Tötungsgesetzes. Zum Leid der unzähligen, unschuldigen Straßenhunde.

Zwar wurde das Gesetz 2014 offiziell wieder aufgehoben, jedoch wird in fast allen städtischen Tierheimen (auch „Tötungen“ genannt) weiterhin nach einer Ablauffrist von 2 Wochen getötet.

Laut Gesetz müssen die Tiere mittels Injektion eingeschläfert werden, jedoch haben wir leider die Erfahrung gemacht, dass dies nicht immer der Fall ist. Manchmal werden die Hunde auch auf brutalste Weise ermordet, meist um Geld zu sparen.


Das Geschäft mit den Hunden

Die Idee, dass es zielführend sei, die Hunde einzufangen und zu töten, ist fast schon absurd, denn wenn es weniger Hunde auf den Straßen gibt, haben diese mehr verfügbare Ressourcen und können sich so wieder schneller fortpflanzen – ein wahrer Teufelskreis.

Hinzu kommt, dass es für jeden eingefangenen Hund eine Pauschale gibt, die der Hundefänger bekommt und natürlich vielen deshalb daran gelegen ist, möglichst viele Hunde einzufangen, vor allem vor dem Hintergrund der unglaublichen Armut des Landes. Ein trauriges Schicksal für unzählige Fellnasen.

Die Tötungsstation von Innen

Wie ein öffentliches Tierheim, eine „Tötungsstation“ aussieht, ist unterschiedlich von Dorf zu Dorf und von Tierheim zu Tierheim. Die „Besseren“ kann man sich in etwa vorstellen, wie unsere deutschen Tierheime, jedoch meist nicht im Inneren eines Gebäudes, sondern als Außengelände. Es gibt Zwinger mit mehreren Hunden, es gibt Hütten, Stroh und die Zwinger sind gefliest und werden gereinigt. Die Tiere werden täglich gefüttert, medizinisch versorgt und fristen bis zu ihrer Tötung ein einigermaßen akzeptables „Tierheim-Dasein“. Das sind die „guten“ Beispiele.

Leider geht es auch ganz anders: Zwinger mit Betonboden, ohne Hütten, ohne Stroh, keine Möglichkeit von Wärme im Winter, Futter gibt es, je nachdem, wie die Arbeiter gerade Lust haben. Verletzungen werden nicht versorgt, Hunde können sich gegenseitig totbeißen, Hündinnen kriegen Welpen, die meistens schnell sterben. Die Tiere werden quasi sich selbst überlassen und ihr anstehender Tod ist dann mehr eine Erlösung als alles andere.

Leider ist auch dies die traurige Realität. Gott sei Dank gibt es viele lokale und ausländische Organisationen, die auch in Tötungsstationen helfen, versuchen aufzuklären, auf Missstände hinweisen, Anzeigen erstatten, etc.

Das Töten bleibt deshalb leider trotzdem nicht aus. Gemeinsam hoffen wir auf eine bessere Zukunft für die Hunde in Rumänien, die eigentlich nur mit Änderungen in der Politik und den Gesetzen einhergehen kann.